Studie zu Verwertungsketten für Wohnungsbestände im Agenda 21-Beirat vorgestellt

14.05.09 | Rubrik: Lokale Agenda 21

In der Februar-Sitzung des Beirats der Bochum-Agenda 21 stellte Dr. Sebastian Müller seine Studie zu den Verwertungsketten für Wohnungsbestände in Bochum vor.

Sie ist betitelt mit "Licht und Schatten" und befasst sich mit Mieterprivatisierung, Mehrfachverkäufen und Finanzinvestoren. Initiator und Herausgeber ist der Mieterverein Bochum. Eine Förderung erfolgte durch die Bochum-Agenda 21.

 

Die Untersuchung zu den Auswirkungen von Wohnungsverkäufen in Bochum unterscheidet zwei Typen von Siedlungen. Beim den mieterprivatisierten Zechen- und Stahlarbeitersiedlung sieht Sebastian Müller eher mehr "Licht". Hier sei die Umnutzung im Wesentlichen als nachhaltig zu bezeichnen. Es sind preiswerte Wohnungen entstanden in einer sozialen Mischung der Bewohner und einem funktionierenden Zusammenleben. Hier empfiehlt er, den Bestand zu pflegen, sich um auftretende Konflikte zu kümmern und die Siedlungstypen behutsam weiterzuentwickeln.

 

Erheblich problematischer stelle sich die Lage beim untersuchten zweiten Typus dar, den vernachlässigten 70er-Jahre Großbauten. Sie seien als nicht nachhaltig zu bezeichnen, soziale Problemlagen und ein schlechter baulicher Zustand treffen aufeinander, bedingen sich wechselseitig. Mieter- und Mieterstrukturen entmischten sich zusehends in einem Kreislauf in Richtung nach unten. Dennoch sagten die befragten Mieter erstaunlich oft, dort wohnen bleiben zu wollen - trotz tropfender Decke, mangelnder Wärmedämmung, undichter Türen oder fehlendem Hausmeister. Die Mieten sind niedrig. Diejenigen, die es sich leisten können, ziehen allerdings aus dem unattraktiven Umfeld weg. Zurück bleibt eine Mischung von eher schwierigen Milieus. Die Bewohner verfügen oft über mangelnde Sprachkenntnis und geringes Wissen um ihre Rechte als Mieter. Hier versuchen sich nur wenige gegen die desolaten Zustände zu wehren, so Müller.

 

Immerhin sei der Wohnungsbestand noch modernisierungsfähig. Müller wollte nicht in einer Stadt mit so scharfen Gegensätzen leben. Daher rät er, sich einzumischen, politisch zu intervenieren und eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern. Eine Einflussmöglichkeit sei eine städtische Kontrolle bei Wohnungsverkäufen.


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