CBL - Ein Jahr danach: Bürgergespräch in der Postkutsche

21.02.04 | Rubrik: Lokales

Am 21. 2. 2004, genau ein Jahr nach Abgabe von über 15.000 Unterschriften gegen das Cross-Border-Leasing des Kanalnetztes trafen sich über 20 BochumerInnen in der Gaststätte "Zur Postkutsche", um sich über die neuesten Ereignisse zu informieren. Da Man das alles weiter unten auf dieser Seite nachlesen kann, bieten wir Ihnen hier den humorigen Teil der Veranstaltung:

 

 

Akte X: Das Loch

 

 

Fox Mulder starrt regungslos auf den Boden. Die Musik von Akte X ertönt. Dana Scully betritt die Szene.

 

 

Scully: Was ist es, Mulder?

 

 

Mulder: Es ist ein Loch, Scully. Und es scheint bodenlos zu sein.

 

 

Scully: Was meinen Sie? Ist es spontan und erst vor kurzer Zeit entstanden?

 

 

Mulder: Nein, Scully. Ich glaube, dass an diesem Loch lange und mit großer Gründlichkeit gearbeitet wurde. Vielleicht ist es außerirdischen Ursprungs.

 

 

Scully: Mulder, scheuen Sie sich doch die Struktur an! Das Loch ist mit rotem Filz ausgekleidet. Hier, in dieser Region, gibt es viel mehr Löcher ähnlicher Struktur, als Sie glauben! Dieses Loch ist hausgemacht.

 

 

Mulder: Und das schimmlige grüne Zeug, was sich da auf dem roten Filz eingenistet hat? Was ist das, Scully?

 

 

Scully: Das sind Parasiten, Mulder. Diese Lebensformen waren vermutlich mal autonom. Doch jetzt haben sie sich daran gewöhnt, in den Ausdündtungen ihres Wirtskörpers zu leben. Traurige Kreaturen! Allein nicht mehr lebensfähig. Haben Sie etwas unternommen, was uns in dieser Sache weiterbringt?

 

 

Mulder: Wir haben einen unserer besten Agenten nach Bochum kommen lassen, damit er das Loch überwacht.

 

Auftritt Dale Cooper. Die Twin Peaks Melodie ertönt.

 

 

Cooper: Scully, Mulder?

 

 

Scully: Special Agent Cooper, haben Sie in den letzten Tagen hier verdächtige Personen bemerkt?

 

 

Cooper: In den ersten Tagen meiner Observierung herrschte hier Friedhofsruhe, doch vorgestern habe ich hier ein parr interessante Aufnahmen machen können. Er reicht Scully eine Digitalkamera.

 

 

Scully: hält den Sucher ans Auge und betrachtet die Bilder.

 

 

Mulder: Was sehen Sie, Scully?

 

 

Scully: Es ist eine Frau, etwas rundlich, mit lockigen Haaren, definitiv über Vierzig. Und sie hat mehrere Plastiktüten in der Hand.

 

 

Mulder: Sie meinen, Scully ...

 

 

Scully: Ja, Mulder! Agent Cooper: Was hat die Frau mit den Plastiktüten gemacht?

 

 

Cooper: Nun, sie hat sie in dieses Loch geworfen. Umweltsauerei!

 

 

Scully: Ich denke, dass in diesen Tüten twas sehr wertvolles war, was wir schon lange vermissen.

 

 

Cooper: Das Bernsteinzimmer?

 

 

Mulder (sichtlich entnervt): Die Cross-Border-Leasing-Millionen, Dale!

 

 

Cooper: Leider können wir die Dame nicht verhaften. Scheiße, der Morgentau-Plan wäre für diese Krauts doch die bessere Lösung gewesen!

 

 

Scully: Und außerdem würden wir der hiesigen Einheits-Partei ihre Oberbürgermeister-Kandidatin wegnhemen. Vorschläge, Mulder?

 

 

Mulder (schelmisch): Überlassen wir doch alles Weitere dem US-Kongress!

 

Die Akte-X-Melodie ertönt. Abgang Mulder, Scully, Cooper.

 

 

 

 

 

Und hier noch das Wort zum Samstag von attac-Chefsatiriker Christoph Nitsch:

 

 

 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Sie sind hier heute erschienen, um sich ein Bild zu machen, was Cross-Border- Leasing wirklich bedeutet.

 

Zuerst einmal zerfällt dieser komplexe Begriff, wörtlich genommen, in drei nabhängige, aus dem angelsächsischen Sprachraum stammende Komponenten:

 

Cross steht für Kreuz, Border muß mit Grenze übersetzt werden und Leasing, di weniger Betuchten unter Ihnen kennen diesen Begriff vom Autokauf her, bedeutet Ratenzahlung.

 

Versuchen wir eine Synthese aus diesen drei Begriffen, so kann sie z. B. lauten: " Bei Leasing- Geschäften können uns sämtliche Grenzen kreuzweise! ".

 

Und wenn ich sage, sämtliche Grenzen, dann meine ich sämtliche:

 

Nicht nur die territorialen, sondern auch die des Steuerrechts und vor Allem die ethisch- moralischen Grenzen!

 

Doch neben dieser reinen Definition dem Wortsinne nach, hat der CBL- Komplex auch noch eine psychologische, ja geradezu mythologische Dimension, die ich jetzt kurz skizzieren möchte:

 

Das Kreuz und die Grenze, daß sind zwei elementare Symbole, die aufs Engste miteinander verbunden sind.

 

Gemeinsam stehen sie für das Leiden, die Grenzerfahrung des Todes, die Auferstehung, die Erlösung und die Erhöhung:

 

Wie der sieche Gralskönig Anfortas liegt der Bochumer Etat in Agonie. Nun schlägt die Stunde einer heroischen Frauengestalt: Ottilie Scholz.

 

Vom unscheinbaren Cross- Border- Lieschen wächst sie zur überlebensgroßen Erlöserin heran.

 

Sie nimmt das Kreuz auf sich und wird zu einer zweiten Jeanne D` Arc. Und wie Jeanne D` Arc beginnt sie Stimmen zu hören, doch sind es die Stimmen von Engeln und Heiligen, die Sie schützen und leiten wollen?

 

Nein, es sind die lästerlichen Stimmen von globalisierungskritischen Leasing- Gegnern.

 

Doch unangefochten steigt sie, Orpheus gleich, in den Hades der Schmähungen herab. Sie überwindet die letzte Grenze, wird wiedergeboren und findet, auf den Spuren von Columbus, den Seeweg nach INDIEN!

 

Dort feiert sie die Chymische Hochzeit des Christian Rosencreutz und wird zur Alchemistin geweiht.

 

Sie verwandelt die Scheiße in den Bochumer Kanälen in das Gold von Fort Knox und entreißt so den Nibelungenhort den Fluten.

 

Schließlich kehrt sie im Triumphzug mit dem goldenen Vließ in ihre Heimat zurück und wartet dort auf ihre Erhöhung im kommenden Herbst.

 

So, nun sind Sie dran, meine Damen und Herren! Vielen Dank für Ihre

 

Aufmerksamkeit und eine schöne Kommunalwahl!


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