Erdgaspreise werden steigen

01.10.04 | Rubrik: Lokales

Die Preise für Heizöl sind in den letzten Monaten erneut drastisch gestiegen, die für Gas werden bald nachziehen. Für MieterInnen bedeutet das deutlich höhere Heizkosten ab dem kommenden Winter - mal wieder. Wir sprachen mit dem Leiter der Abteilung Kundendienst bei den Stadtwerken Bochum, Paul Theune, über Hintergründe und Folgen des neuen Heizkostenschocks.

Wieso steigen jedes Mal, wenn die Ölpreise klettern, auch die Gaspreise?

 

Der Gaspreis ist seit Jahrzehnten an den Ölpreis gekoppelt. Als sich in den 60er Jahren Erdgas als Alternative zum Heizöl etablierte, machte eine Preisbindung an den damaligen Marktführer Sinn. Allerdings ist diese Preisbindung keine Einbahnstraße nach oben. Wir haben in den vergangenen 30 Jahren den Gaspreis 29 mal verändert und davon 13 mal gesenkt. Die heutigen 5 Förderländer – vor allem Russland und Norwegen – und die deutschen Großhändler, wie beispielsweise RWE und Ruhrgas, schließen langfristige Lieferverträge auf der Basis einer Ölpreisbindung. Die Preissteigerungen werden nach diesem Mechanismus vom Großhändler an den Einzelhändler, das sind die Stadtwerke, und vom Einzelhändler an den Endkunden zeitversetzt weitergegeben.

 

Was ist denn teurer – Öl oder Gas?

 

Ich will natürlich am liebsten Erdgas verkaufen. Betrachten wir Ihre Frage aus zwei Blickrichtungen: Bei den reinen Brennstoffkosten halten sich Öl und Gas momentan die Waage.

 

Wenn wir zum Jahreswechsel den Gaspreis anheben, verschiebt sich die Waage zu Gunsten des Öls. Der andere Aspekt neben der reinen Brennstoffkosten-Betrachtung ist ein sog. Vollkostenvergleich. Tankreinigung und TÜV-Abnahme entfallen und es ist kein Lagerraum im Hause notwendig. Der Kunde braucht sich nicht um Liefertermine oder Vorratshaltung zu kümmern. Erdgas ist immer verfügbar, bequem als Monats-, Zweimonats- oder Jahresabschlag zahlbar und es emittiert weniger CO2 als Heizöl. Die Kosten sollte jeder Kunde selbst bewerten und dann seine Entscheidung treffen. In Bochum haben wir im Raumwärmemarkt einen Erdgasanteil von ca. 64%. Heizöl ist mit ca. 12 % deutlich weniger gefragt.

 

Womit müssen die Verbraucher denn jetzt rechnen? Wie teuer wird es?

 

Der Ölpreis ist schon den ganzen Sommer hoch gewesen und hat mittlerweile die 50 Cent-Marke erreicht. Wer also mit der Bevorratung gewartet und auf sinkende Preise gehofft hat, der muß gegenüber dem Herbst 2003 nun mit rund 40 % Mehrkosten rechnen. Unsere Gaskunden müssen allerdings ebenfalls mit Mehrkosten rechnen. Seit Januar 2003 haben wir stabile Gaspreise, die voraussichtlich ab Januar 2005 zwischen 9 bis 12% steigen werden. Das letzte Wort zu diesem Thema hat aber der Aufsichtsrat. Vorsorglich sollten unsere Kunden Mehrkosten für die Gasheizung von 6 bis 7 € pro Monat einkalkulieren.

 

Die Energiekosten steigen also wieder einmal überproportional?

 

Momentan wirkt das so. Wenn wir den Gaspreis von 1974 gleich 100% setzen, dann liegt er im Jahre 2004 – also genau 30 Jahre später bei 229%. Das ist rund das 2,3 – fache. Im Vergleich haben sich die Lebenshaltungskosten, bzw. die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum um das 2,15-fache erhöht. In der langfristigen Betrachtung bewegen wir uns somit fast im Rahmen der üblichen Verteuerungen. Die Energiepreise „explodierten“ immer in Zeiten der Ölkrisen. Das war 1973, 1979, 1999 und 2004 so. Bei den Energiekosten reagieren die Kunden besonders sensibel, weil sie die Kaufentscheidung nicht vertagen können. Hier werden die Kosten monatlich fällig. Bei einem neuen Auto – falls das alte nicht defekt ist – kann ich relativ frei entscheiden zu kaufen oder zu warten.


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