Küppers-Karre muss tabu bleiben
27.01.05 | Rubrik: Lokales
"Die Antwort auf Heinz Hossieps Frage, ob man über einen Abriss des Küppers-Karres jetzt wieder nachdenken darf, ist ganz leicht zu finden", meint Mietervereins-Geschäftsführer Michael Wenzel. "Sie lautet ganz klar: Nein, darf man nicht!"
Wenzel weiter: "Die Wohnungen sind immer noch vermietet, und die Menschen dort wollen immer noch nicht weg. Es hat zwar seit 2001 eine Mietrechtsreform gegeben, aber ein Kündigungsgrund "kommunalpolitisch gewünschter Abriss" ist dabei nicht ins Gesetz aufgenommen worden. Es bleibt also dabei, dass es keine Möglichkeit gibt, die Mieter im Küppers-Karree gegen ihren Willen zu verdrängen."
Hintergrund: Unter dem Titel "Gerstein Plan zieht Blick aufs Küppers-Karree" berichtet die WAZ heute über neue Pläne zur Umgestaltung des Areals rund um das Ruhr-Stadion. Darin wird der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Hossiep zitiert mit den Worten: "Die Verwaltung möge prüfen, ob das jetzt für eine sinnvolle gewerbliche Lösung wieder gedacht werden darf." Auch der aktuelle CDU-Fraktionschef Lothar Gräfingholt fände, man solle die Idee "nicht gleich in die Tonne kloppen".
Michael Wenzel, bis zur Kommunalwahl 2004 selbst im Aufsichtsrat der halbstädtischen VBW, der das Küppers-Karre gehört, wundert sich, dass ausgerechnet Ex-VBW-Geschäftsführer Hossiep das Eisen wieder anpackt, dass 2001 letztlich allen Parteien zu heiß war. Schließlich hat die VBW die Häuser seit 2001 renovieren lassen und dabei einiges an Geld in das ehemalige Schmuddel-Viertel gesteckt. "Wenn nun doch noch abgerissen würde, wäre es zum Fenster herausgeworfen", meint Wenzel und schickt eine deutliche Warnung auch in Richtung Lothar Gräfingholt: "Im Küppers-Karre gibt es eine verdammt fitte Mieterschaft, die schon 2001 ihre Siedlung mit Zähnen und Klauen verteidigt hat. Wer da Feuer legt, wird sich auch diesmal wieder eine blutige Nase holen. Also die Idee doch besser "gleich in die Tonne kloppen". Es ist ja nicht weit, wo wir doch jetzt alle die blaue Tonne direkt vor der Tür haben."
Zum Thema gibt es auch eine Presseerklärung der Mieterinitiative Küppers-Karree. Wortlaut:
Offener Brief zu: Gerstein-Plan zieht Blick aufs Küppers-Karree<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
<typohead type="3">An alle Politiker im Rat der Stadt Bochum</typohead>
Die Äußerungen von Herr Hossiep zeigen, das alternde Politiker wohl nicht lehrfähig sind, oder sind es schon erste Anzeichen von Altersvergesslichkeit?
Oder sollten wir hier sogar Absicht unterstellen? Was gemein und verwerflich währe.
Wie schon 2001 erfahren die betroffenen Bürger aus der Presse, das man ihnen wieder das Haus unter dem Po wegreißen will und ihnen ihr Heim nehmen will.
Hier werden vor allen Dingen wieder die älteren Bewohner bewusst und vorsätzlich in Angst und Panik versetzt.
Dieses Recht hat Herr Hossiep und seine Genossen nicht. Dieses grenzt an Körperverletzung.
Schon vergessen? Hier noch mal zur Erinnerung:
Wir Bürger im Küppers-Karree stehen noch immer wie eine Front gegen den Abriss.
Habt Ihr Eure Versprechen von 2001, das Ihr künftig erst mit den Betroffenen reden wolltet, um so Angst und Panik zu vermeiden, vergessen?
Das Ihr Politiker dieses nicht verstehen wollt, ist uns auch klar.
Solidarität, Verlässlichkeit, Rückrad, und die Interessen und das Wohl der Bürger zu vertreten, Versprechen einzuhalten, sind Tugenden die Ihr heute wohl nicht mehr kennt.
Leere Versprechungen machen – Geldausgeben, was nicht vorhanden ist - nur an die Partei denken - nur den Blick auf die Karriere gerichtet, vernebelt den Blick für die Realität und die Aufgaben eines Politikers.
Der Politiker soll dem Volk dienen und nicht das Volk verarschen.
Und Ihr wundert Euch, dass das Volk die Schnauze voll hat, siehe Politikverdrossenheit.
Schämen solltet Ihr euch.
gez. Kipper gez. Traute
