Wohnungsmarktbericht für Bochum

26.09.06 | Rubrik: Lokales

Seit 1994 beobachtet die Stadtverwaltung den Wohnungsmarkt, und berichtet regelmäßig über das, was sie sieht. Hintergrund dieses vorbildlichen Verfahrens ist die Erfahrung mit der Wohnungsnot, die damals für viele völlig überraschend kam. Das sollte nie noch einmal passieren. Jetzt liegt der „Wohnungsmarktbericht 2005“ vor - und kommt zu durchaus widersprüchlichen Ergebnissen.

Es gibt noch mehr Indizien für einen in weiten Teilen entspannten Wohnungsmarkt. Die Zahl der amtlich registrierten Wohnungssuchenden - das sind diejenigen, die eine Sozialwohnung beziehen wollen und deshalb einen Wohnberechtigungsschein beantragen - hat sich im Vergleich zu 1996 mehr als halbiert. Mit 1600 ist sie auf einem neuen Tiefststand. In diesem Marktsegment ist die Nachfrage noch deutlicher gesunken als das Angebot.

Denn die Zahl der Sozialwohnungen nimmt weiterhin deutlich ab. Ende 2004 waren es nicht einmal mehr 26.000 Wohnungen - zehn Jahre zuvor noch über 40.000. Das liegt an den auslaufenden Bindungsfristen. Die meisten Sozialwohnungen wurden in den 70er Jahren gebaut und waren 30 Jahre gebunden. Damals lag der Anteil bei fast 50 % des Wohnungsbestandes - heute sind es noch 14 %. In zehn Jahren wird der Anteil deutlich unter 10 % liegen. Denn ein Neubau an Sozialwohnungen findet praktisch gar nicht mehr statt.

Überhaupt ist der Wohnungsbau nahezu zum erliegen gekommen. Wurden Ende der 90er Jahre noch durchschnittlich über 1000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut, sind es jetzt nur noch ca. 350.

Das hält die Stadtverwaltung allerdings für einen Fehler. Da es schon in naher Zukunft weit weniger Zuwanderung aus der Ferne geben wird, schlagen die Verluste bei der Nahwanderung (siehe Grafik) härter durch. Hauptmotiv für einen Umzug in eine Nachbarstadt aber ist die Wohnung. Offenbar finden allzu viele BochumerInnen in Herne, Dortmund, Witten oder Castrop-Rauxel eine bessere oder billigere Wohnung - oder günstigeres Bauland.

So nennen denn auch die Experten, die die Stadt regelmäßig befragt, zu wenig oder zu teures Bauland - beziehungsweise die mangelnde Kaufkraft der potentiellen Nachfrager - als die größten Probleme auf dem Eigentumsmarkt. Im Mietwohnungsbereich werden vor allem steigende Nebenkosten und zu wenig bezahlbare familientaugliche Wohnungen genannt, aber auch, dass das Angebot nicht der Nachfrage entspricht.

Die Stadtverwaltung folgert daraus, dass trotz weitgehend entspanntem Markt Handlungsbedarf besteht - und zwar in zwei Richtungen. Einerseits muss die Nachfrage nach mehr Qualität befriedigt werden, wenn man Wohnbevölkerung halten oder gar dazugewinnen möchte. Andererseits muss das Marksegment der preiswerten Wohnungen genau beobachtet werden. Denn durch die Einführung von Hartz IV steigt hier die Nachfrage. Im Berichtszeitraum 2004 hat sich dies noch nicht niedergeschlagen. Aber das wird sich bald ändern.

Den kompletten Bericht finden Sie im Internet unter:

www.bochum.de/bauverwaltung/wohnungsmarktbericht2005.pdf


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