Chaos-Modernisierung in Langendreer

01.05.02 | Rubrik: Vermieter

Diese Siedlung findet man nur, wenn man sie ganz gezielt sucht. Aber wenn man von der Baroper Straße in Langendreer nördlich in den Birkhuhnweg einbiegt und unter der A 44 durchfährt, kommt man zu der Gaststätte "Zur alten Zeit". Dahinter liegt, von keiner anderen Bochumer Straße aus erreichbar, ein ganzes Wohnviertel. Und hier liegt an der Westerbergstraße auch eine Siedlung, in der seit ein paar Wochen der Teufel los ist.

Ende letzten Jahres hat die "Dr. Ochel Projektgesellschaft" die 144 Wohnungen aufgekauft. Allerdings nicht etwa, um sie langfristig als Mietwohnungen zu bewirtschaften, sondern um so schnell wie möglich weiter zu verkaufen. Deshalb wurden die Wohnungen auch sofort in Eigentumswohnungen umgewandelt.

 

Etliche Wohnungen haben denn auch inzwischen den dritten Eigentümer innerhalb weniger Monate. Viele davon, so erzählen die Mieter, haben die Wohnungen vorher nicht einmal besichtigt - reine Kapitalanleger. Das ist eigentlich gut für die Mieter, die ihre Wohnungen nicht selber kaufen wollen oder können. Denn Kapitalanleger melden keinen Eigenbedarf an.

 

Allerdings sind die Wohnungen in ihrem bisherigen Zustand alles andere als eine gute Kapitalanlage. Deshalb wird jetzt erst mal gründlich modernisiert: Häuserzeile für Häuserzeile wird eingerüstet und Wärmedämmung angebracht. Morgens in aller Frühe geht der Lärm los und dauert den ganzen Tag. In vielen Wohnungen gibt es neue Heißwassergeräte (Strom statt Gas), Dachgeschosse werden ausgebaut, so dass die Mieter keine Wäsche mehr trocknen können, der Mörtelstaub kriecht in die letzten Ritzen, und heilen Fußes in den Hausflur zu gelangen sei angesichts der Baustellen fast unmöglich geworden, klagt eine gehbehinderte Mieterin. Das alles passiert, ohne das die Arbeiten den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend drei Monate vorher angekündigt wird.

 

Der Mieterverein erfährt eher zufällig von den Ereignissen - es gibt ein Mitglied in der Siedlung, dass zur Beratung kommt. Schnell wird zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Viele MieterInnen erfahren erst an diesem 8. Mai, dass sie nicht alles schlucken müssen, was da passiert, und dass sie wegen der zahlreichen Mängel die Miete mindern können. Jetzt kommen heißere Zeiten auf die Projektgesellschaft zu!


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