Häusser-Bau blufft Mieter
01.05.02 | Rubrik: Vermieter
In den Gärten hinter den Häusern Hattinger Straße 654 bis 666 wühlen die Bagger. Sie wälzen nicht nur die Erde um, sie reißen auch Schuppen und Garagen ab, die bisher die Mieter genutzt haben. Ärger gibt es trotzdem nur mit ganz wenigen von Ihnen. Bis auf zwei haben alle eine Erklärung unterschrieben, nach der sie auf alle Nutzungs-Ansprüche an diesen Gebäuden verzichten. Anscheinend haben sich da Manche überrumpeln lassen. Denn die Hintergründe der Abrissaktion sind zumindest merkwürdig.
Im Januar wurde die Häuser-Riege von Viterra an die Häusser-Bau GmbH verkauft. Wer diese Firma kennt, der weiß, dass sie sich nicht etwa als neue Vermieterin profilieren, sondern so schnell wie möglich weiterverkaufen wollte. Einige der Häuser haben denn auch schon den dritten Eigentümer in diesem Jahr.
Am 9. April schrieb Häusser die Mieter an: Das Bauordnungsamt habe bei einem Ortstermin sechs Tage zuvor den Abriss der Garagen und Schuppen oder die Vorlage der Baugenehmigung gefordert.
Die können die Mieter natürlich nicht vorlegen. Denn sie haben die Schuppen ja nicht gebaut, sondern nur genutzt. Sie stehen teilweise auch schon 40 Jahre - in den 60er Jahren war für dergleichen keine Baugenehmigung erforderlich.
Stadt weiß von Nichts
Noch mysteriöser: Die Stadt will von einer Abriss-Verfügung nichts wissen. Stadtsprecher Thomas Sprenger: „Das Bauordnungsamt war tatsächlich am 3. April vor Ort. Es hat allerdings keinerlei Abrisse angeordnet, sondern lediglich die Sperrung eines Schuppens wegen Baufälligkeit verlangt.“
Das bestätigt auf Nachfrage dann auch Häusser-Geschäftsführer Thorsten Heckendorf. Nach seiner Darstellung ist es nun aber plötzlich das Liegenschaftsamt, das den Abriss verlangte. Allerdings nicht wegen Baufälligkeit oder weil die Gebäude einer Aufteilung des Grundstücks im Wege stünden, sondern allein wegen der fehlenden Baugenehmigung.
Doch auch dem widerspricht die Stadt: Das Liegenschaftsamt ist ausschließlich für städtische Grundstücke zuständig. Und solche gibt es in dem Gelände nicht.
Ein Beispiel dafür, dass man noch lange nicht alles glauben muss, was Vermieter behaupten. Mieter Ralf Schröder hat sich jedenfalls mit Hilfe des Mietervereins erfolgreich gewehrt. Der Erfolg: „Sein“ Schuppen bleibt stehen. Er sieht nicht gerade aus wie ein moderner Car-Port, hält seinen BMW aber trotzdem trocken ...
