Neu bei Viterra-Privatisierungen: Dauerwohnrecht ab 65
01.07.01 | Rubrik: Vermieter
Da hat der massive öffentliche Druck, den die Viterra-Mieterinitiativen in Hattingen und anderen Städten gemacht haben, doch noch etwas genutzt: Kurz nach Erscheinen der letzten MM-Ausgabe rang sich das größte deutsche Wohnungsunternehmen doch noch ein Zugeständnis an privatisierungsbetroffene MieterInnen ab, dass bis dahin strikt verweigert worden war: Das Dauerwohnrecht für alle, die zum Zeitpunkt des Verkaufes älter sind als 65 Jahre.
Das Dauerwohnrecht will Viterra zwar nicht ins Grundbuch schreiben. Denn was dort steht, muss später unter Einschaltung eine Notars mit hohem Aufwand wieder entfernt werden, selbst wenn der Nutznießer verstorben ist. Dafür kommt eine eindeutige Passage in die Kaufverträge, wenn jemand anderes als die MieterInnen selbst die Wohnung kaufen.
Die Formulierung, die Viterra gewählt hat und die dem Mieterverein vorliegt, stellt auch sicher, dass dieses Dauerwohnrecht auch bei einem Weiterverkauf an Vierte oder Fünfte bestehen bleibt. Die MieterInnen werden über diese neue Regelung schon in dem Schreiben, mit denen ihnen die Verkaufsabsichten mitgeteilt werden, informiert.
Beim Mieterverein hat man diese Entwicklung erfreut zur Kenntnis genommen. Zwar kritisiert man dort Privatisierungen grundsätzlich, weil dadurch in dieser mobilen Gesellschaft so dringend benötigter Mietwohn-raum verloren geht. Und, so Vereinssprecher Aichard Hoff-mann in einem Schreiben an Viterra: "Eine Privatisierung, die das Prädikat "mierterfreundlich" verdienen will, muss auf Verkäufe an Dritte Grundsätzlich verzichten." Erleicheterung dennoch: "Wenigstens ist der Druck von den alten Leuten weg, die vorher befürchten mussten, nach Ende der zehnjährigen Sperrfrist mit 75 oder 80 noch einmal umziehen zu müssen."
Verkaufszahlen unter den Erwartungen
Inzwischen musste Viterra öffentlich eingestehen, dass die Ver-kaufzahlen deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Im Jahre 2000 hat das größte deutsche Wohnungsunternehmen statt der geplanten 6000 Wohnungen gerade mal 1270 verkauft. Auch in Hattingen haben von den 500 betroffenen MieterInnen bisher erst 90 ihre Wohnung selbst gekauft.
