Viterra: Lippenbekenntnisse
01.05.02 | Rubrik: Vermieter
Die Viterra AG, Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, will dem Initiativkreis Ruhrgebiet beitreten. Das verkündete Vorstands-Chef Wolfhard Leichnitz anlässlich der Vorstellung des Geschäftsberichts 2001, der bei einem Umsatz von 1,29 Mrd. Euro einen Überschuss von 241 Mio. ausweist. 250 Millionen Euro investiere das Unternehmen im Revier und sichere damit 10.000 Arbeitsplätze. Als ein klares Bekenntnis zur Heimatregion will Leichnitz dies Engagement verstanden wissen.
Das sind ja ganz neue Töne von der e.on-Tochter! In den letzten Jahren war sie eher ins Gerede geraten, weil sie sich vom Ruhrgebiet abwendet. 5000 Wohnungen hat Vitarra 2001 zwischen Lippe und Ruhr verscherbelt, fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Der große Exodus brachte Angst und Schrecken in dutzende Siedlungen. Eingekauft wurde dagegen im Rhein-Main-Gebiet und Berlin. Ist das nun die Kehrtwende?
Mitnichten. Denn der Ausverkauf soll weiter gehen, sogar noch gesteigert werden. 6.000 bis 7.000 Verkäufe peilt Viterra in diesem Jahr im Ruhrgebiet an. Eine Abkehr von sogenannten "Portfolio-Management" findet nicht statt: Man trennt sich weiter von "schlechten" - will heißen: weniger profitablen - Beständen, um "gute" einzukaufen. Und die stehen nun mal nicht an der Ruhr. Deshalb hat Viterra auch keinerlei Interesse an den Landesanteilen der LEG, über deren Verkauf die Düssel-dorfer Regierung nachdenkt. Denn die 110.000 LEG-Wohnungen liegen überwiegend im Revier. Und hier hat Viterra mit viel Mühe und noch mehr öffentlicher Schelte seinen Bestand gerade auf 108.000 reduziert.
So entpuppen sich die neuen Töne schnell als Lippenbekenntnisse. Denn sinkende Mieten zumindest bei Neuvermietungen und eine Leerstandsquote von 2,6 Prozent sind natürlich Grund genug, das Standbein anderswohin zu verlagern. Oder, wie es im Originalton Leichnitz heißt: "Wir dürfen uns nicht von einereinzigen Region abhängig machen." Wieso machen? Früher war Viterra das und ging auch nicht pleite.
Apropos pleite: Hoch defizitär ist bei Viterra das Bauträger-Geschäft, also der Verkauf von neugebauten Eigenheimen. 30 Millionen Euro Miese hat man hier im letzten Jahr gemacht. Wundern sollte sich darüber bei Viterra allerdings keiner: Wenn man derart viele Mietwohnungen umwandelt und den Mietern zum Kauf aufdrängt - wer soll dann noch die Wohnwert-Häuschen kaufen? Den Markt, den der "Baupartner" so gerne beliefern würde, hat der "Wohnpartner" längst abgegrast.
aha
