Viterra unterm Hammer?
01.10.01 | Rubrik: Vermieter
Wilde Spekulationen um den Verkauf des größten deutschen Wohnungsunternehmens, der Essener Viterra AG, deren Immobilien Verwaltung in Bochum die Geschicke von 120.000 Mieterhaushalten im Revier bestimmt: Die Ruhrkohle-Tochter RAG Immobilien in Essen soll die Viterra-Aktien im Tausch gegen die RAG-Anteile an Ruhrgas übernehmen, berichtete Ende Juli der SPIEGEL. Doch beide Unternehmen dementierten sofort.
Bei Viterra weiß man längst, dass demnächst andere Zeiten anbrechen. Die Konzernmutter, die Düsseldorfer VEBA-Nachfolgerin E.ON will, ja muss sich wegen ihres Engagements am US-Energiemarktes und der dortigen Kartellgesetze von den Viterra-Aktien trennen. Doch bisher wurde immer spekuliert, Viterra werde an die Börse gebracht.
Das ist offenbar Schnee von gestern. Neben der RAG ist jetzt auch die japanische Großbank Nomura als Kaufinteressent im Gespräch. Nomura hatte erst in diesem Jahr 64.000 ehemalige Eisenbahner-Wohnungen von der Bundesregierung übernommen.
Im September schossen die Spekulationen ins Kraut. Die WAZ will erfahren haben, dass die RAG sehr wohl konkrete Kaufverhandlungen führt und nannte bereits Einzelheiten über die Konditionen. Die Berliner "tageszeitung" zitierte wenige Tage später eine Viterra-Sprecherin mit den Worten. "Die RAG wird es nicht." Die RAG selbst hüllt sich in Schweigen: "Das sind Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen", sagte Konzernsprecher Erich Kometz uns gegenüber. Ein offizielle Dementi gab er aber auch nicht ab.
Entscheidender Unterschied
Für die betroffenen MieterInnen ist es keineswegs gleichgültig, in welche Hände die Viterra wandert. Denn entscheidend ist, wie die zukünftige Eigentümerin mit den Wohnungen umgeht: Wird in Zukunft noch hemmungsloser privatisiert, als bisher schon, weil vor allem Kasse gemacht werden muss, oder findet das Unternehmen zurück zu einer Politik der sozialen Verantwortung gegenüber seinen MieterInnen?
Letzteres scheint zumindest wahrscheinlicher, wenn nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Aktien "in der Region" bleiben. Denn natürlich glaubt niemand, international agierende Kapitalgesellschaften würden Rücksicht auf die Interessen der Menschen im Revier nehmen.
An eine Übernahme durch die RAG knüpfen sich deshalb große Hoffnungen. Sie soll sich - so erfuhr die WAZ - bereits verpflichtet haben, nicht weiterzuverkaufen - es sei denn, an die MieterInnen selber.
Dementi der Konzern-Mutter
Unterdessen ist der e.on-Konzern Gerüchten entgegengetreten, der Verkauf seiner (100-prozentigen) Tochter Viterra stehe unmittelbar bevor. In einem Schreiben an unsere Arbeitsgemeinschaft der Mietervereine vom 1. Oktober heißt es wörtlich: "Lassen Sie uns diesbezüglich klarstellen, dass Viterra mittelfristig nicht zum Verkauf steht und die von Ihnen zitierten Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Die berechtigten Belange der Mieter werden wir - bis bisher - bei der Weiterentwicklung von Viterra angemessen berücksichtigen."
