Kommentar: Hilft die Wärmewende Heizen bezahlbar zu halten?
Die sogenannte Wärmewende ist bislang ein Nischenthema, dürfte aber ab 2026 deutlich an Bedeutung gewinnen. Sie bezeichnet die energetische Transformation des Heizens, etwa durch bessere Dämmung und den Umstieg auf nicht-fossile Energieträger. Auf Grundlage des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet das Gebäudeenergiegesetz Hauseigentümer – mit Ausnahmen – zum Einbau von Heizungen, die zu 65 Prozent klimaneutral sind, sobald kommunale Wärmepläne vorliegen. Großstädte wie Dortmund und Bochum müssen diese bis Juni dieses Jahres vorlegen.
Für die Wärmepläne ermitteln die Kommunen die Wärmebedarfe einzelner Straßen und durch welche klimaneutralen Wärmequellen diese am wirtschaftlichsten gedeckt werden können. So wird bestimmt, in welchen Gebieten zusätzliche Fernwärmeleitungen verlegt werden. Wo dies nicht der Fall ist, sind Hauseigentümer herausgefordert sich selbst um Nahwärmenetze oder Wärmepumpen zu kümmern.
Fernwärme ist für MieterInnen wie Vermieter oft die einfachste Lösung, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Es gibt keinen Wettbewerb. Da meist nur ein Anbieter existiert, sind MieterInnen besonders betroffen. Sie zahlen die Wärmekosten, haben aber meist keinen eigenen Vertrag mit dem Versorger und können sich kaum gegen intransparente Preise wehren. Mieterverbände fordern deshalb eine stärkere gesetzliche Preisregulierung.
Auch Wärmepumpen haben Folgen für MieterInnen. Ihr Einbau ist oft teurer als der Anschluss an Fernwärme. Da neue Heizungen als Modernisierung gelten, dürfen Vermieter bis zu 50 Cent pro Quadratmeter umlegen.
Trotz aller Herausforderungen ist die Wärmewende auch für Mieter:innen wichtig, denn ExpertInnen erwarten in den nächsten Jahren massive Kostenanstiege vor allem beim Heizen mit Gas. Heizen mit Fernwärme oder Wärmepumpen wird dann die preiswertere Alternative sein.
Während große Wohnungsunternehmen bereits planen oder umsetzen, stehen viele Kleinvermieter vor großen Herausforderungen. Ohne Fernwärmeanschluss und mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten sind sie oft überfordert. Kommunen sollten sie daher stärker unterstützen, etwa durch Beratung, Nahwärmenetze, Bürgergenossenschaften oder Ankaufslösungen, damit die Wärmewende gelingt und Heizen bezahlbar bleibt.
Der Text erschien zuerst im Straßenmagazin BoDo im Februar 2026.