Neue Zahlen zu Zwangsräumungen & Energiesperren
Die städtische Verwaltung hat auf Anfrage der Fraktion Die Linke im Rat Anfragen zur Situation von Zwangsräumungen und Energiesperren im Jahr 2025 beantwortet. In beiden Bereichen war zuletzt eine Steigerung der Zahl der Betroffenen zu verzeichnen. Hintergrund scheinen vor allem die steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten zu sein, die besonders einkommensschwache Haushalte belasten.
Angesichts weiter steigender Miet- und Energiepreise sollte diese Entwicklung aus Sicht des Mietervereins stärker in den Blick der Kommunalpolitik genommen werden. Jede Sperre oder Räumung bedeutet für die Betroffenen viel Unruhe, insbesondere, wenn der Verlust der Wohnung und damit Wohnungslosigkeit droht.
Energiesperren
Laut Verwaltung gab es im Jahr 2025 insgesamt 17.460 Sperrandrohungen der Stadtwerke Bochum für Strom und Gas. Dies entspricht 6,1 Prozent aller Verträge. Tatsächlich kam es zu 4.405 Stromsperren (2,04 Prozent der Stromkund:innen) und 77 Gassperren (0,11 Prozent). Erfreulicherweise seien die Anschlüsse laut Stadtwerken jedoch meist schnell wieder freigeschaltet worden: rund 60 Prozent noch am selben Tag und weitere 30 Prozent innerhalb von fünf Tagen.
Zur Vermeidung von Energiesperren setzen die Stadtwerke auf Ratenzahlungsvereinbarungen, Kooperationen mit Sozialbehörden und Beratungsangebote gegen Energiearmut (u. a. vom Mieterverein). Im Jahr 2025 wurden über 7.200 Abwendungsvereinbarungen abgeschlossen.
Mitglieder des Mietervereins können sich bei drohenden Energiesperren, die beispielsweise durch die Nichtzahlung des Vermieters ausgelöst werden können, in der Beratung melden. Weitere Beratungsangebote bieten die Verbraucherzentrale im Rahmen des Projekts „NRW bekämpft Energiearmut“ und die Caritas mit ihren Energieberatungen für einkommensschwache Haushalte.
Die komplette Antwort der Verwaltung ist hier zu lesen.
Zwangsräumungen
Im Jahr 2025 wurden in Bochum 335 Zwangsräumungen durch Gerichtsvollzieher bzw. Obergerichtsvollzieher angesetzt, von denen 250 stattgefunden haben. In 208 Fällen waren Single-Haushalte betroffen. Von den 127 Mehrpersonenhaushalten waren 96 mit Kindern.
Die Wohnungsnotfallhilfe des Amtes für Soziales geht davon aus, dass ca. 90 % der Zwangsräumungen auf Mietschulden und ca. 10 % auf mietwidrigem Verhalten oder Eigenbedarf basieren. Das Amt kann Betroffenen Darlehen anbieten, um Zwangsräumungen zu verhindern. Im Jahr 2025 geschah dies in 123 Fällen in Form von Darlehen zum Wohnraumerhalt, davon 91 für Mietrückstände und 32 für Energiekostenrückstände.
Hier die Antwort der Verwaltung.