Bochumer Wärmeplan beschlossen

Bild zur Wärmewende durch Fernwärme

Die Wärmewende, die verbesserte Dämmung von Wohnhäusern sowie die Umstellung  auf nicht-fossile Heizungen,  gehört zu den zentralen Fragen der Wohnungspolitik. Heizen soll klimaneutral werden, ohne dass Haushalte finanziell überfordert werden. Für Bochum wird dieser Umbau jetzt konkret – mit der Kommunalen Wärmeplanung, die der Stadtrat am 1. Oktober 2026 beschlossen hat.

Der Plan unterteilt das Stadtgebiet in drei gleichwertige Bereiche: Es gibt Quartiere, die künftig über Fernwärme versorgt werden, Prüfgebiete, in denen ggf. Wärmenetze installiert werden könnten, und Gebiete, in denen dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen im Mittelpunkt stehen. Eine entsprechende Übersicht bieten die Stadtwerke Bochum an.

Damit erhalten Eigentümer:innen und Mieter:innen eine Orientierung darüber, welche Heiztechnik für ihr Zuhause perspektivisch sinnvoll ist. Über die Heizform eines Wohnhauses entscheiden weiterhin die Eigentümer:innen.

Geplante städtische Maßnahmen

Zur Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung wurde zudem ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der die konkret umsetzbaren Handlungsschritte benennt. Die Stadt hat dazu vier übergeordnete Kategorien gebildet: Wärmenetze (u. a. Verdichtung und Erweiterung der Wärmebestandsnetze, Verifizierung der Prüfgebiete), klimaneutrale Einzelversorgung und Sanierung (u. a. Beratungspaket für Eigentümer:innen und Bewohner:innen, Fördermittel für die Beratung in Quartieren mit hohem Sanierungsbedarf), begleitende Prozesse und Umfeldmaßnahmen (u. a. Prozess der Wärmeplanung fortsetzen, Information über die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung für die Bürger:innen) sowie Versorgungssicherheit (u. a. Ausbau des Stromnetzes).

Der Wärmeplan ist damit ein wichtiger Schritt – und zugleich der Auftakt für die Umsetzung weiterer Aufgaben, die jetzt mit Nachdruck angegangen werden sollten, damit die Wärmewende sozial gerecht gelingt.

Aus Sicht des Mietervereins sind weitere kommunale Aufgaben

Aufgabe 1: Bezahlbarkeit von Anfang an mitdenken.

Eine zentrale Herausforderung ist, dass die Wärmewende diejenigen nicht ausklammern darf, die über den geringsten finanziellen Spielraum verfügen. Die Ratsfraktion der Linken hat dazu einen ersten Vorschlag eingebracht, den Wärmeplan um soziale Kriterien zu erweitern.

Aufgabe 2: Gemeinschaftliche Lösungen fördern

Nicht überall lassen sich individuelle Wärmepumpen leicht realisieren, etwa in dicht bebauten Quartieren. Hier bieten sich gemeinschaftliche Projekte an, etwa Nah- oder kalte Nahwärmenetze, die auch über Bürgerenergiegenossenschaften organisiert werden können. Die Prüfung, wie die Stadt solche Nahwärmenetze aktiv unterstützen kann, wäre ein vielversprechender nächster Schritt, um auch in schwierigen Lagen bezahlbare Lösungen zu ermöglichen.

Aufgabe 3: Beratung für Eigentümer:innen

Viele Privateigentümer:innen sind durch die Wärmewende finanziell und organisatorisch überfordert. In der städtischen Beschlussvorlage wird bereits auf Beratungen hingewiesen. Diese sollten ausgeweitet werden. Wenn zielgerichtete Sanierungsmaßnahmen in Wohnhäusern unterbleiben, sind die Betroffenen die Mieter:innen, die hohe Verbrauchskosten weitgehend allein tragen müssen.

Maßnahmen der Bundesregierung für die Wärmewende

Was die Kommune nicht ändern kann, ist das Dilemma zwischen Mietern und Vermietern im Mietrecht. Da Mieter:innen die Verbrauchskosten weitgehend selbst tragen, aber nicht über die Heizform entscheiden können, sind sie von den Vermietern abhängig. Ausgerechnet die billigsten Heizungen sorgen aber für die höchsten Verbrauchskosten.

Daher bräuchte es klare gesetzliche Vorgaben zum verbesserten Mieterschutz bei energetischen Sanierungen sowie zur Förderung von Dämmmaßnahmen und der Erneuerung von Heizungen.

Das jüngst in Kraft getretene neue Gebäudemodernisierungsgesetz der Bundesregierung ist allerdings ein Schritt in die falsche Richtung. Es ermöglicht wieder den Einbau neuer, fossil betriebener Heizungen. Für betroffene Mieter:innen bedeutet dies, dass die bereits hohen Energiekosten für Gas und Öl in den kommenden Jahren noch einmal erheblich steigen werden.

Mehr Infos zur Bochumer Wärmewende

Der weitgehend im Rat beschlossene Entwurf des Wärmeplans ist im Ratsinformationssystem der Stadt zu lesen.

Eine Übersicht zum Themenfeld Wärmewende hat der Mieterverein hier erstellt.