Wohnen bleibt ein Kostenrisiko für Studierende

Unibrücke Bochum

Pünktlich zum Semesterbeginn – auch an der Ruhr-Uni – ist eine neue Kurzexpertise „Arm im Studium – Einkommen, Wohnkosten und Bedarfssätze im Realitätscheck“ der Paritätischen Forschungsstelle, die der Paritätische Gesamtverband und das Deutsche Studierendenwerk gemeinsam vorstellen, veröffentlicht .82,4 Prozent der Studierenden sind armutsbetroffen, mehr als fünfmal so viele wie in der Gesamtbevölkerung. Zugleich müssen sie im Median fast die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen. Der Median bildet genau die Mitte zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Einkommen ab. Das bedeutet, dass Studierende, deren Einkommen unter dem Median liegt, sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben müssen.

Bei einem Medianeinkommen von 900 Euro und medianen Wohnkosten von 461 Euro bleiben alleinlebenden Studierenden rechnerisch nur rund 439 Euro für den gesamten übrigen Lebensunterhalt, weniger als der aktuelle BAföG-Grundbedarf von 475 Euro vorsieht. Auch Studierende, die ausschließlich mit anderen Studierenden oder Auszubildenden in einer Wohngemeinschaft leben, sind mit einer Armutsquote von 70,4 Prozent stark betroffen, die extreme Belastung ist damit kein Randphänomen einer kleinen Gruppe.

Die Wohnkostenpauschale von 380 Euro im Bafög reicht an den meisten Orten nicht aus, um die Warmmiete der studentischen 30-Quadratmeter-Musterwohnung zu decken. Das zeigt der MLP Studentenwohnreport 2026. Danach sind die qualitätsbereinigten Mieten für studentisches Wohnen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum durchschnittlich um 2,6 Prozent gestiegen. Besonders stark verteuerten sich kleine Wohnungen unter 40 Quadratmetern mit einem Plus von 3,5 Prozent. Um die Wohnosten an verschiedenen Orten vergleichen zu können, gehen die Studienautoren von einer Musterwohnung aus. Im Vergleich der studentischen Musterwohnungen ist München der teuerste der 38 untersuchten Standorte. Die kalkulierte Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Musterwohnung beträgt dort rund 880 Euro, für ein Muster-WG-Zimmer rund 850 Euro.

Wenn Studierende einen großen Teil ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden müssen, können ihnen finanzielle und zeitliche Spielräume im Studienalltag fehlen. Wohnkosten können zudem bei der Wahl des Studiengangs, der Hochschule oder des Standorts eine Rolle spielen. Bezahlbarer Wohnraum ist damit ein Bestandteil der Infrastruktur leistungsfähiger Hochschul- und Innovationsstandorte.

Diese Woche hat die Bundesregierung die Bafög-Novelle vorgelegt. Danach sollen die Bedarfssätze für Studierende in zwei Schritten angehoben werden: Zum Wintersemester 2027/2028 auf 503 Euro und zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro. Auch bei der Wohnkostenpauschale sieht der Gesetzentwurf Änderungen vor. Für außerhalb des Elternhauses wohnende Studierende soll der Zuschlag zum Sommersemester 2027 um rund 16 Prozent von 380 Euro auf 440 Euro steigen. Gleichzeitig soll die Wohnkostenpauschale für im Elternhaus wohnende Studierende auf 41 Euro gesenkt und in einem zweiten Schritt vollständig abgeschafft werden.

Konkrete Tipps für Studierende geben wir auf dieser Seite.