Mieterforum Bochum - Nr. 55

Mieterforum I / 2019 18 ::: Bochum Vereinigte Bochumer Wohnstätten Lieb und teuer Die Kampagne #wirwollenwohnen (siehe Seiten 8 – 10) richtet sich nur in ihrem ersten Teil primär an die Lan- despolitik. Nämlich da, wo es um den Erhalt der Mieter- schutzverordnungen geht. Im zweiten Teil werden vor allem die Kommunen angesprochen. Sie sollen ihre Kom- munalen Wohnungsunternehmen zur Schaffung preiswer- ten Wohnraums einsetzen. Seit die Stadt ihren Anteil an den Vereinigten Bochumer Wohnstätten (VBW) auf fast 80 % erhöht hat, hat Bochum ein kommunales Woh- nungsunternehmen. Doch an dessen Geschäftsgebahren müsste sich Einiges ändern, sollte sie diesem Ziel dienen. Einer Mehrheit im Rat ist die städtische Beteiligung an der VBW besonders lieb. Zum Einen ist die VBW recht umtriebig im Bereich der Stadtentwicklung. Immer wie- der hat sie durch mutige Investition mit- geholfen, aus hässlichen Ecken schmucke Quartiere zu machen: Bahnhof Präsident, Altenbochumer Bogen, Grummer Karree – viele Millionen sind hier investiert wor- den. Zum Anderen kommt aber auch Bo- chums Kämmerin Dr. Eva Maria Hubbert regelmäßig in den Genuss der inzwischen einträglichen Beteiligung der Stadt an der VBW: 7,5 Mio. € Überschuss hat das Un- ternehmen 2018 erwirtschaftet, 3 davon zahlt sie an ihre Anteilseigner aus – wie auch schon in den Vorjahren. Knapp 2,4 Mio. € davon landen in der Stadtkasse. Aus Sicht des Mietervereins – und ganz sicher vieler ihrer Mieterinnen und Mie- ter – ist die VBW vor allem etwas ande- res: teuer. Zweimal hat das Unternehmen in den letzten Jahren versucht, Mieten an der Obergrenze der Preisspanne des Mietspiegels zu nehmen, beim ersten Ver- such ganz ohne Begründung, beim zwei- ten mit unzulässigen Begründungen. Erst massive Proteste des Mietervereins führ- ten zur Umkehr – und heute stellt sich das Problem nicht mehr. Denn der aktu- elle Mietspiegel enthält auf Drängen des Mietervereins (wegen solcher Erfahrun- gen) keine Preisspannen mehr. Doch auch so wurde kräftig an der Preis- schraube gedreht. Um 12,6 % stiegen in den Jahren 2012 bis 2017 die Mieten bei der VBW, folgt man nur ihren eigenen Ge- schäftsberichten. Im gleichen Zeitraum stiegen die Durchschnittsmieten im Stadt- gebiet, die die Mietspiegel-Erhebungen er- fasst haben, nur um 10,8 %. Mieterhöhungen mit Fehlern Das bekommen die Mieter zu spüren. Ei- ner von ihnen ist Winfried Dentel aus Al- tenbochum. „Ich wohne seit 1988 hier, seither ist in meiner Wohnung kein Ham- merschlag gemacht worden, es sei denn von mir selbst. Das Haus ist Baujahr 39, und so sieht es auch aus. Unter meinen Holzdielen liegt noch Straßenasche. Aber Mieterhöhungen habe ich regelmäßig be- kommen, 2015, 2017, jetzt wieder. Ich bin jetzt bei 322,74 € für 54,6 qm.“ Schon einige Sträuße mit der VBW ausge- fochten hat Marlies Seidelmann (Name geändert) aus der Küppersstraße. Sie soll zum 1. April 113,81 € mehr zahlen als bisher. Dabei hat die VBW einen Miet- spiegel-Zuschlag von 68 Cent pro qm für einen gehobenen Bodenbelag berück- sichtigt. Der Korkboden aber gehört der Mieterin selbst, was die VBW in einem Protokoll nach der Modernisierung 2012 noch ausdrücklich quittiert hat. Zieht man diesen Zuschlag ab, bleiben von der Mieterhöhung gerade noch 39,42 € üb- rig. Marlies Seidelmann: „Ich lass mich nicht einschüchtern. Wenn ich etwas nicht zahlen muss, dann zahle ich das auch nicht. Ich finde es schade, dass so viele Mieter sich nicht wehren.“ Zwei von vielen. York Redeker ist nur ei- ner von sechs Rechtsberatern beim Mie- terverein. Doch allein er hat derzeit 25 Akten mit VBW-Mieterhöhungen auf sei- nem Schreibtisch. Viele davon erfordern Korrekturen. „Ein häufiges Problem ist, dass ein Zuschlag für eine gute Ener- gieklasse gemacht wird, ohne dass der Energiepass beiliegt. Viele Wohnungen haben einen einfachen Bodenbelag, aber der Abschlag von 18 Cent, der im Miet- spiegel steht, ist nicht gemacht worden. Das sind aber noch Themen, bei denen wir mit ein bisschen Hin- und Herschrei- ben weiterkommen. Wobei gar nichts läuft, ist beim Abschlag für „einfaches Bad“. Im Mietspiegel steht: Wenn alt,

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