Mieterverein Bochum - Nr. 69

Mieterforum III / 2022 13 ::: Bochum Bastian Pütter vor dem bodo-Buchladen an der Königsallee. In dem leer stehenden Ladenlokal daneben öffnet demnächst eine Beratungsstelle. das man beenden muss. Sie ist die oft traumatische Erfahrung, dass in individuellen Krisen Sicherungssysteme und auch private soziale Netze nicht mehr greifen und den Absturz nicht verhindern können. Der Weg zurück ist oft langwierig, schmerzhaft und funktioniert selten ohne aufwendige Unterstützung.
Bemerkenswerterweise hat, beauftragt von der EU, die Ampel im Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben, bis 2030 Obdach- und Wohnungslosigkeit zu überwinden. Das geht nicht in den bisherigen Logiken. Die Lösung, die jetzt schon Länder wie Finnland vormachen, ist, einfach nicht zu akzeptieren, dass es einen Teil der Bevölkerung gibt, der unter unwürdigen Bedingungen auf der Straße lebt. Das HousingFirst-Konzept sieht vor, Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, unmittelbar und bedingungslos Zugang zu eigenem, mietvertraglich gesichertem Wohnraum zu gewähren, weil es unabhängig von moralischen Fragen die erfolgreichere und auch billigere Lösung ist, und weil die Probleme, die zum Wohnungsverlust geführt haben, sich auf der Straße nur verschärfen, dort aber nicht gelöst werden können. MF: Davon sind wir weit entfernt. Putter: Ja. In Bochum gibt es jedes Jahr uber 200, Zwangsraumungen und selbst im Coronajahr 2020 waren es noch uber 130. Und das droht schlimmer zu werden. In der Energiepreiskrise droht eine Welle an Wohnungsverlusten wegen Schulden, und das ist nicht nur ein Peak, sondern wird ein langfristiges Problem, dessen Dimension wir uns bisher nicht vorstellen konnen. MF: Was also muss jetzt passieren? Putter: Das Wichtigste ist doch, dass man es zu Obdachlosigkeit gar nicht erst kommen lasst. Der haufigste Grund sind Mietschulden. Ein Drittel der Wohnungslosen gibt an, vor dem Wohnungsverlust bei Jobcentern und Ämtern um Hilfe nachgesucht zu haben. Der Wohnungsverlust muss um jeden Preis vermieden werden. Das ist letztlich eine Entscheidung, die in der Macht der Kommunen liegt. Obdachlosigkeit ist nichts, was man schön machen sollte oder kann.

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