Mieterverein Bochum - Nr. 70

Mieterforum IV / 2022 3 ::: Mieter:in & Vermieter:in Geschichten von Aufzügen, die nichts (hin)aufziehen Ob man gerne in einem Haus mit Aufzug lebt, ist Geschmacksache. Aufzüge sind nicht unbedingt geräuschlos. Und sie treiben die Nebenkosten nach oben. Aber für Menschen mit Gehbehinderungen sind sie die einzige Möglichkeit, woanders als im Erdgeschoss zu wohnen. Besonders tragisch wird es, wenn so ein Aufzug für längere Zeit ausfällt. Wie zum Beispiel im Reschop 14 in Hattingen. 7 Etagen hat das Haus, da ist ein Aufzug vorgeschrieben. Monika Klein wohnt mit ihrem Mann Udo zwar nur in der 2. Etage, aber ohne Aufzug kommt die auf einen Rollstuhl angewiesene Frau dennoch nicht aus dem Haus. Der Aufzug ist allerdings in diesem Jahr immer wieder und in immer kürzeren Abständen ausgefallen. Seit dem 21. September steht er komplett still. Die LEG hat einen Tragedienst für Einkäufe eingerichtet, zweimal die Woche zwischen 10 und 12 Uhr. Da sind Berufstätige jedoch nicht zu Hause. Und für Arztbesuche gibt es einen Krankentransport, der allerdings jedesmal mit 50 € zu Buche schlägt, die man vorfinanzieren muss – angeblich gibt es das Geld später zurück. „Das hat hier noch niemand in Anspruch genommen“, sagt Udo Klein. „Die Leute hier kommen mit den Geld gerade so zurecht, 100 € vorstrecken für einmal runter- und einmal rauftragen kann sich hier niemand leisten.“ Also quälen sich selbst die, die auf jedem Absatz fünf Minuten Pause machen müssen, die Treppe rauf und runter. Die LEG hat eine Reparatur des Aufzugs bis Ende des Jahres in Aussicht gestellt. „Von der Aufzugsfirma habe ich jedoch gehört: Vor Februar wird das nichts“, erzählt Udo Klein. Wie einige Nachbarn, die auch vom Mieterverein vertreten werden, mindert er jeden Monat 100 € Miete. Fast noch schlimmer geht es im Postkutschenweg 12 in Altenbochum zu. Hier fährt der Aufzug seit dem 7. Oktober nicht mehr. Zwar hat das Haus „nur“ vier Obergeschosse. „Aber die Nachbarn, die einen Rollator brauchen, kommen trotzdem nicht raus“, erzählt Mieterin Monika Mann. In ihrem Haus gibt es keinerlei Hilfen für die Mieter:innen – keinen Tragedienst, keine Krankentransporte, ja nicht einmal eine Reaktion der Hausverwaltung Grand City Properties. Folglich weiß auch niemand hier, ob eine Reparatur in Auftrag gegeben wurde und wie lange das noch dauern kann. Auch Schreiben des Mietervereins bleiben unbeantwortet. Zwar mindern auch Monika Mann und einige Nachbar:innen Miete, aber das ist ja nicht das, was wirklich hilft. Es werden wohl härtere Saiten aufgezogen werden müssen. Oben: Monika und Udo Klein im Flur ihres Hauses mit Nachbarin Anneliese Moch im Hause Reschop 14 in Hattingen. Unten: Monika Mann aus dem Postkutschenweg 12 in Bochum ist beweglich, etliche Nachbar:innen weniger.

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