Mieterverein Bochum - Nr. 65

Mieterforum III / 2021 4 ::: Bochum Bebauungsdichte im neuen Mietspiegel Aufgelockert in Bärendorf? Ein Vierteljahr nach Inkrafttreten des neuen Mietspiegels liegen erste Erfah- rungen mit Mieterhöhungen vor, die mit ihm begründet werden. Und wie immer kommt es dabei zu Interpreta- tionen, die man durchaus als eigen- willig bezeichnen kann. Besonders eigenwillig ist das, was die Vonovia unter „aufgelockerter Bebauung“ versteht. Weitmarer Straße, Bärendorfer Straße, Kaulbachstraße, Knoopstraße, Lange Mal- terse – in Weitmar-Bärendorf befindet sich die größte Vonovia-Siedlung in Bochum. Sie ist geprägt von viergeschossigen, lan- gen Wohnblocks mit drei Eingängen, gut 50 Meter Front zur Straße. Zwischendurch stehen auch mal Häuser mit nur zwei Ge- schossen und zwei Eingängen. Aber es gibt auch Gebäude, die die Mieter hier „Hochhäuser“ nennen, mit fünf bis sieben Geschossen. Dazwischen finden sich aller - dings oft größere Rasenflächen und eini - ges an Baumbestand. Rund 1.500 Wohnungen besitzt Vono- via hier, und gleich im Mai hat sie ange- fangen, die nach Inkrafttreten des neuen Mietspiegels fälligen „Mietanpassungen“ vorzunehmen. Das Thema „Wohnlage“ wird in diesem neuen Mietspiegel anders behandelt als bisher. Das Bochumer Stadt- gebiet ist unterteilt in 17 Wohngebiete, die jeweils ihren eigenen Preis haben. Andere Kriterien wie Infrastruktur, Verkehrsverbin- dungen oder Grünflächenversorgung ha - ben sich als nicht preisbildend entpuppt. Einzige Ausnahme: die Bebauungsdich- te. „Aufgelockerte Bebauung“ bringt ei- nen Zuschlag von 25 Cent. Und Vonovia scheint wild entschlossen, diesen Zuschlag in Weitmar-Bärendorf durchzusetzen. Beim Mieterverein sind etliche Mieterinnen und Mieter aus Weitmar-Bärendorf vorstel- lig geworden, die Mieterhöhungsverlangen bekommen haben, in denen die ortsübli- che Vergleichsmiete anhand des Mietspie- gels ausgerechnet wird, wobei in jedem Einzelfall der Zuschlag für „aufgelockerte Bebauung“ verlangt wird. Eine von ihnen ist Angelika Ziegler. Sie wohnt in der Weit- marer Straße 123, einem dieser hier typi- schen Viergeschosser mit drei Eingängen: „Gegen eine normale Mieterhöhung habe ich nichts, aber das hier als ‚aufgelocker- te Bebauung‘ zu bezeichnen, ist ein Witz!“ Vor elf Jahren ist sie für 400 Euro Miete hier eingezogen, jetzt ist sie bei fast 500. „Ich schaue direkt auf das Hochhaus an der Bärendorfer Straße. Auf dem ehema- ligen Garagenhof wird ein weiteres Hoch- haus gebaut und weitere Häuser werden aufgestockt. Früher hatte ich Rasen vor der Tür, jetzt eine Blechlawine.“ Marian Totzek ist der für Weitmar-Bären- dorf zuständige Rechtsberater beim Mie- terverein. Er sagt: „Nach der Definition des Mietspiegels bedeutet ‚aufgelockerte Bebauung‘ maximal drei Geschosse und Abstandsflächen zwischen den Häusern. Es kommt auch nicht nur auf das einzelne Gebäude an, sondern auch auf das, was in der Umgebung überwiegt. Unter die- sen Umständen hier von ‚aufgelockert‘ zu sprechen, erscheint mir sehr gewagt.“ Marian Totzek hat bereits etlichen Miet- erhöhungsverlangen im Namen der Mie- ter widersprochen, doch Vonovia gibt nicht nach. Ein Zuschlag von 25 Cent in 1.500 Wohnungen bei durchschnittlich 70 qm Wohnfläche addiert sich auf über 300.000 € im Jahr. Dafür lohnt der Ein- satz. Gut möglich, dass erst die Gerichte das Streitthema beenden werden. Bis dahin rät der Mieterverein allen Be- troffenen, keinen Mieterhöhungsver- langen zuzustimmen, die den Zuschlag „aufgelockerte Bebauung“ enthalten. Kommen Sie zur Beratung! Aufgelockert ist in Bärendorf höchstens die Bewölkung. Beispiel Kaulbachstraße: viergeschossige Wohnblocks, über 50 Meter Front zur Straße, dann knapp 15 Meter Abstand zum nächsten Block.

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