Mieterforum Bochum - Nr. 61

Mieterforum III / 2020 4 ::: Vermieterin VBW-Mieter Abriss-Angst in der Vogelsiedlung Die Vogelsiedlung in Bochum Grumme ist in die Jahre ge- kommen. Die Fassaden sind fleckig, von den Balkonbrüs - tungen blättert die Farbe ab, an manchen Stellen gibt es Feuchtigkeitsschäden. Aber die Mieten sind erschwinglich, die Bausubstanz ist gesund. Und das Umfeld ist wunder- bar grün mit vielen alten Bäumen, die Nachbarschaft intakt. Doch seit Wochen sind die Mieter in Angst – das Schreckgespenst des Abrisses geht um. 2013 hat die Eigentümerin der Siedlung, die städtische VBW, die Mieter zu einem Infoabend ins nahe Gasthaus Goeke an den Grummer Teichen eingeladen. Es wurde eine umfassende Sanierung versprochen, bunte Prospekte ver- teilt. Geschehen ist nichts in den sieben Jahren seither. „An- fang des Jahres sind wir hellhörig geworden“, erzählt Gra- zyna Stargalla, Mieterin am Spechtsweg. „Denn da wurden plötzlich freiwerdende Wohnungen nicht mehr vermietet. Bis dahin hat man allen neuen Mietern das Gleiche gesagt wie uns damals: Es wird saniert.“ Inzwischen stehen 5 der 48 Wohnungen leer. Die übrigen Mieter wandten sich im Frühjahr an OB Thomas Eiskirch. Der mochte zwar keine Stellung beziehen, kündigte aber eine Stellungnahme der VBW an. Die kam auch, fiel aber so vage aus, dass sie die Mieter erst recht alarmierte: Mann wis- se noch nicht, wohin die Reise gehe, man prüfe alle Optionen von Modernisierung bis zum Abriss, eine Entscheidung ergehe frühestens Ende September. Das macht misstrauisch. Ende September ist erst nach der Kom- munalwahl. Die Gewohnheit, schlechte Nachrichten erst nach Wahlen zu überbringen, hat auch in Bochum Tradition. Die VBW ist ein städtisches Unternehmen, und eine gute Nachricht könnte man gut und gerne auch vor der Wahl verbreiten. Nie- mand hier mag glauben, dass es der VBW seit sieben Jahren nicht möglich sein soll, Ross und Reiter zu nennen, aber im Sep- tember soll es dann plötzlich so weit sein. Ein Blick in die Nachbarschaft beruhigt auch nicht gerade. Die Häuser im Karree Spechtsweg, Amselweg und Heckert- straße sind zweigeschossig. Direkt daneben gibt es doppelt so hohe Gebäude. Also könnte nach einem Abriss das doppelte an Wohnfläche neu gebaut werden – und entsprechend mehr Mie - te eingenommen werden. Bild oben: Die Vogelsiedlung ist angejahrt, aber idyllisch grün. Bild Mitte: Die Mieter haben ihre Siedlung dekoriert. Bild unten: Der WDR zeigt Interesse, die Lokalzeit berichtet.

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