Mieterverein Bochum - Nr. 69

Mieterforum III / 2022 5 ::: Mieter:in & Vermieter:in Wegen Schimmel 4.600 € für Mieter-Familie Die Terrassenhäuser an der Girondelle in Steinkuhl sind ein bisschen aus den Schlagzeilen geraten in den letzten Jahren. Das heißt aber nicht, dass es dort keine Probleme mehr gibt. 2018 strich mit der TAG Brandenburg, die mit so hochfahrenden Sanierungsplänen gestartet war, eine weitere Vermieterin die Segel. Es übernahm die Portfolio Oberhausen GmbH. Die musste jetzt an eine Mieter-Familie über 4.600 € zahlen. Die Mitglieder des Mietervereins hatten wegen umfänglichen Schimmelbefalls die Miete gemindert und auf Mängelbeseitigung geklagt. Am 1. Juli 2016 war die Familie in die 4-Zimmer-KDB-Wohnung in dem Terrassenbau eingezogen. Schon bald stellten sich Schimmelprobleme ein, die immer mehr Räume betrafen. Ab 2020 minderte die Familie die Miete – nach Beratung durch den Mieterverein um bis zu 50 %. Denn es gab zu diesem Zeitpunkt praktisch keinen Raum mehr in der Wohnung, der nicht von Schimmel befallen war. Durch die TAG Brandenburg wurde der Schimmel mehrfach überpinselt, ohne die Ursachen zu beseitigen. Die neue Eigentümerin Portfolio Oberhausen ließ eine Besichtigung durchführen, aber außer dass Fotos gemacht wurden, geschah weiter nichts. Im Januar 2021 reichte es der Familie – sie reichte Klage ein. Die Klage verfolgte zwei Ziele: zum einen, die Vermieterin dazu zu verpflichten, die Mängel endlich zu beseitigen, und zum anderen, festzustellen, dass die Mieterfamilie berechtigt war und weiterhin sei, die Miete um 50% zu mindern. Denn ab Einreichung der Klage zahlten sie wieder die volle Miete, wenn auch unter Vorbehalt. Nanu? Warum einfach, wenn‘s auch umständlich geht? Wäre es nicht einfacher gewesen, weiter zu mindern und darauf zu warten, dass die Vermieterin auf Zahlung klagt? „Das war früher mal“, sagt Rechtsanwalt Marc Engelbertz, der die Klage für den Mieterverein vertreten hat. „Heute ist das durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs deutlich komplizierter geworden. Man kann nicht mehr einfach drauflos mindern, und wenn sich später herausstellt, dass es zu viel war, zahlt man halt nach. Heute riskiert man eine fristlose Kündigung, wenn man zwei Monatsmieten im Rückstand ist, weil man zu viel oder gar völlig grundlos gemindert hat. Und bei Feuchtigkeitsschäden ist die Sache besonders riskant, weil man die durch falsches Lüften auch selbst verursachen kann.“ Dass war hier aber offensichtlich nicht der Fall. Die Vermieterin räumte die Schäden vorbehaltlos ein, beantragte aber trotzdem, die Klage abzuweisen, da die Mängelbeseitigung bereits in Auftrag gegeben sei. Vor Gericht schlossen die Parteien dann einen Vergleich. Demnach erhielt die Mieterfamilie für ihre Minderungsansprüche bis zum 1. 3. 2022 noch 4.629,24 € – zusätzlich zu dem Geld, das sie schon vor Einreichung der Klage gemindert hatte. Da die Schadensbeseitigung bereits in Auftrag gegeben war, wurde der Rechtsstreit damit für erledigt erklärt. Rechtsanwalt Engelbertz: „Ein Beispiel dafür, dass es bei Wohnungsmängeln um richtig viel Geld geht, und dass man gut daran tut, seine Interessen konsequent bis zu Ende zu verfolgen.“ Die Terrassenhäuser an der Girondelle gehören seit Jahrzehnten zu Bochums Problemimmobilien.

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