Mieterforum Bochum - Nr. 61

Mieterforum III / 2020 5 ::: Vermieterin 5 Uni-Center – deine Aufzüge! Wo früher Aufzugstüren waren, versperrten wochenlang OSB-Platten den Zugang zum Schacht. Jetzt wird ein neuer Aufzug eingebaut – endlich. Die Grummer Mieter sind ein quirliges Völkchen und nicht ge - willt, die Hände in den Schoß zu legen. Als erstes kam eine Un- terschriftensammlung, dann machten sie Presse, Funk und Fern- sehen auf ihre Lage aufmerksam. Auf einer Infoveranstaltung, zu der der Mieterverein eingeladen hatte, wurde ein Mieterrat gebildet, der den Kampf für den Erhalt der Siedlung koordiniert. Nach einem gemeinsamen Bastelabend wurde die Siedlung mit Plakaten und Transparenten dekoriert: „Rettet die Vogelsied- lung!“ heißt es darauf und „Erhaltet preiswerten Wohnraum!“. Am 27. August zogen 35 Mieterinnen und Mieter aus der Sied- lung zum RuhrCongress, wo zum letzten Mal vor der Wahl der Rat tagte, und verteilten Flugblätter: „Für uns Mieterinnen und Mieter, die teilweise 60 Jahre hier wohnen, ist diese Hinhalterei unerträglich“ heißt es darin. „Die VBW gehört zu fast 80 % der Stadt. Die Stadt Bochum hat eine Mehrheit in allen Gremien der VBW und damit maßgeblichen Einfluss auf deren Geschäftspoli - tik. Wir fordern Sie auf: Nutzen Sie diesen Einfluss! Beenden Sie die seelische Grausamkeit in Grumme!“ Für den Mieterverein ist es vor allem ein Kampf um den Erhalt der wenigen noch preiswerten Wohnungen in Bochum – die Durchschnittsmiete im Viertel liegt bei 5,58 € pro qm. Spre - cher Aichard Hoffmann: „Egal, ob man hier abreißt und neu baut oder ‚nur‘ modernisiert, die Miete wird nachher eine an- dere sein, und viele der heutigen Mieterinnen und Mieter wird sie sich nicht mehr leisten können. Dabei ist das, was hier ge- braucht wird, nichts, was ein verantwortungsbewusst handeln- der Vermieter nicht ohnehin im Rahmen seiner laufenden In- standhaltungsverpflichtungen tun würde.“ Der Grund, warum diese nicht längst erfüllt sind, liegt auf der Hand: Instandhal- tungsmaßnahmen führen nicht zu Mieterhöhungen – die Kos- ten trägt allein der Vermieter. Mieterinnen und Mieter der Vogelsiedlung vor dem RuhrCongress: „Er- haltet preiswerten Wohnraum!“, „Faire Miete statt Maximalrendite!“ und „Rettet die Vogelsiedlung!“ steht auf den Plakaten. Eigentümerin: Die Luxemburger Dakota Investment. Ver- walterin: Grand City Property in Berlin. Insider können sich kaum entscheiden, welcher Name schrecklicher klingt. Das Bochumer Uni-Center ist mit beiden „gesegnet“, und die halbjährlich wiederkehrenden Gesundbetereien von Lokal- politikern haben nichts am erbärmlichen Zustand dieses Quartiers geändert. Ein besonderes Kapitel: Die Aufzüge. Manchmal tage- manchmal wochenlang: Immer wieder fal- len welche aus. Reparaturen dauern. Besonders fatal, denn ei- nige der Häuser am Hustadtring sind 15 Etagen hoch. Behin- derte und andere weniger mobile Menschen sperrt das in ihren Wohnungen ein. Immer wieder musste die Hausverwaltung Tra- getrupps organisieren, damit Mieter wenigstens Arzttermine wahrnehmen konnten. Besonders heftig traf es in diesem Sommer die Querenburger Höhe 223. Das ist das Haus mit der Sparkasse drin. Nach wie- derholtem und zuletzt wochenlangen Aufzugsausfall wurde die- ser im Juli nicht nur stillgelegt, sondern komplett ausgebaut. Spanplatten wurden vor die Türöffnungen geschraubt, um den Schacht zu verschließen. Nicht ein Wort der Information ging an die Bewohner. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Ende August wurde tatsächlich ein neuer Aufzug eingebaut! Vielleicht sind ja damit zumindest in diesem Haus die Probleme erstmal gelöst.

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